Frank Täufer’s Insektennistwand
in der Bonner Stadtgärtnerei bei dem Projekt: Aus Hecken werden Häuser

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Insektennistwand

I N S E K T E N N I S T W A N D

Schon ein Jahr nach dem Aufbau dieser Insektennistwand siedelten sich hier rund 50 verschiedene Bienen- und Wespenarten an.

So werden zum Beispiel die Bohrlöcher in den diversen Harthölzern von Mauer-, Scheren- und Blattschneiderbienen bewohnt. Die Weibchen dieser Arten bauen in den Holzgängen meist mehrere Brutzellen, die durch Lehm oder Blattstückchen abgetrennt sind. Die Zellen werden mit Pollen und Nektar gefüllt, von dem sich dann die heranwachsende Jungbiene ernährt. Die Entwicklung vom Ei über die Made zur fertigen Biene kann in den Schaukästen beobachtet werden.

Im Gegensatz zu den staatenbildenden Hummeln oder Honigbienen versorgt bei diesen sogenannten “Solitärbienen” jeweils nur ein Weibchen die Brutzellen für die eigenen Nachkommen.

Ähnlich verfahren kleine solitär lebende Grabwespen. Sie bewohnen bevorzugt hohle oder markhaltige Pflanzenstengel bzw. Hohlräume im Holz. In ihre Brutzellen bringen sie betäubte Blattläuse, Spinnen, Fliegen, etc., von denen sich die heranwachsenden Wespenmaden ernähren.

Schornsteinwespen graben mehrere Zentimeter tiefe Gänge in die Lehmsteilwand. Das ausgegrabene Material wird vor der Höhle zu einer hängenden Röhre angeklebt. In die Lehmröhre werden dann Rüsselkäferlarven als Futter für die Nachkommenschaft eingetragen.

Den ganzen Sommer über können an der Wand Beobachtungen über das Leben und die Bedeutung dieser faszinierenden Insekten gemacht werden. Da die Tiere nicht stechen, sind derartige Insektennisthilfen in Kindergärten, Schulen, öffentlichen Anlagen oder Privatgärten sehr empfehlenswert.

Wegen ihrer Bestäuberleistung und der Regulierung anderer Insektenarten leisten Bienen und Wespen einen wertvollen Beitrag im Naturhaushalt. Die Vernichtung ihrer Lebensräume (Lehmfachwerk, Hohlwege, Blumenwiesen, Hecken, etc.) und der Einsatz giftiger Spritz- und Holzschutzmittel hat jedoch viele Arten in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt.

Durch einfache Möglichkeiten können auch Sie zum Schutz dieser Tiere beitragen:

  • Verzichten Sie auf Unkrautvernichtungsmittel, Insektizide und giftige Holzschutzmittel.
  • Pflanzen Sie blĂĽtenreiche, einheimische Stauden und Gehölze.
  • Verwenden sie pollen- und nektarreiche Sommerblumen (ohne “gefĂĽllte BlĂĽten”).
  • Verzichten Sie auf Torf.
  • Verbessern sie die Nistmöglichkeiten fĂĽr Wildbienen und Hummeln durch gezieltes Anbringen von Nisthilfen, bzw. Stehenlassen von Altholz und Staudenresten an sonnigen Plätzen.
  • Informieren Sie auch Ihre Nachbarn ĂĽber den Nutzen und die Geheimnisse der Wildbienen.

Artenliste der beobachteten Bienen und Wespen an der künstlichen Steilwand der Stadtgärtnerei (Erhebung im ersten Sommer durch M. Schindler)

Nr.

Syst. Einordnung

„Trivialname“

Wiss. Name

Pollen/Wirt/Beute

1.         

Apidae

Blattschneiderbiene

Megachile lapponica

Epilobium spec.

2.         

Apidae

Blattschneiderbiene

Megachile centuncularis

Polylektisch

3.         

Apidae

Löcherbiene

Heriades truncorum

Asteraceae

4.         

Apidae

Mauerbiene

Osmia rufa

Polylektisch

5.         

Apidae

Mauerbiene

Osmia cornuta

Polylektisch

6.         

Apidae

Mauerbiene

Osmia fulviventris

Asteraceae

7.         

Apidae

Pelzbiene

Anthophora plumipes

Polylektisch

8.         

Apidae

Scherenbiene

Chelostoma rapunculi

Campanula spec.

9.         

Apidae

Scherenbiene

Chelostoma distinctum

Campanula spec.

10.      

Apidae

Scherenbiene

Chelostoma florisomne

Ranunculus spec.

11.      

Apidae

Wollbiene

Anthidium manicatum

Polylektisch

12.      

Chrysididae

Goldwespe

Hedychrum gerstäckeri

Cerceris u.a.

13.      

Eumenidae

Lehmwespe

Odynerus spinipes

Rüsselkäferlarven

14.      

Eumenidae

Lehmwespe

Ancistrocerus nigricornis

Käferlarven

15.      

Eumenidae

Lehmwespe

Microdynerus exilis

Rüsselkäferlarven

16.      

Gasteruptionidae

Gichtwespen

Gasteruption spec.

Hylaeus u.a.

17.      

Sapygidae

Keulhornwespe

Sapyga clavicornis

Chelostoma florisomne u.a.

18.      

Sphecidae

Grabwespe

Pemphredon rugifera

Blattläuse

19.      

Sphecidae

Grabwespe

Pemphredon lethifer

Blattläuse

20.      

Sphecidae

Grabwespe

Passaloceus corniger

Blattläuse

21.      

Sphecidae

Grabwespe

Lestica clypeata

Kleinschmetterlinge

22.      

Sphecidae

Grabwespe

Trypoxylon figulus

Spinnen

23.      

Sphecidae

Grabwespe

Ectemnius cavifrons

Fliegen

Diese Liste ist mit Sicherheit nicht vollständig. Das Artenpotential der Wand kann für Bienen, Grabwespen, Wegwespen, Keulhornwespen und Goldwespen bestimmt auf 40 Arten geschätzt werden. Hinzu kommen dann natürlich noch eine Reihe Parasiten, wie Erzwespen und verschiedene Schlupfwespen.

 

Wildbiene
Ein „Pemphredon” Weibchen sitzt an
seinem Nesteingang.  Foto: Schindler

 

Insektennistwand

 

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