|
Bienen hungern im Sommer
Imkerbund klagt über wenig Nahrungsquellen. Olaf Müller hütet im Kottenforst 45 Völker
Von Jochen Wagner
Wachtberg.
Bio-Imker Olaf Müller pafft ein paar helle Rauchwolken aus Rainfarn auf die Bienenstöcke, beruhigt so die fleißigen Immen in den alten Waldbeständen zwischen Adendorf und Merl. „Weit über 200 Pollenarten finden die Bienen hier im Wald. Eine gute Basis für starke Bienenvölker", freut sich der Partner von rund 80 Völkern mit jeweils um die 80 000 Bienen Der 60-jährige Vollerwerbsimker zeigt sich halbwegs zufrieden mit der Honigausbeute von 45 Völkern im Kottenforst. Etwa 40 Kilo Honig muss Olaf Müller pro Bienenvolk ernten, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Bei Elisabeth Bedorf in der Villiper Mühle ist die Nachfrage nach Müllers Kottenforst-Bio-honig gut. Der Preis liegt bei sechs Euro pro Glas.
Fleißige Bienen: Die Kontrolle der Waben gehört zur täglichen Arbeit des Imkers. FOTOS JOCHEN WAGNER
In einigen Gegenden wie der Euskirchener Ebene finden die Bienen nach der Rapsblüte im Frühjahr kaum noch Nahrung,
müssen mit einem kümmerlichen Angebot von gerade mal einem Dutzend Pollen überleben", berichtet der Bio-Imker, der
generell auf den Einsatz von Chemie im Umgang mit Bienen und Honig verzichtet. „Dazu benötigen Bienen unsere Hilfe. Das
bedeutet mehr Aufwand, mehr Kontrollen und eine gute Standortwahl für die Bienenvölker. Unterm Strich kostet ein 500-Gramm-Glas Bio-Honig nur 30 Cent mehr als herkömmlicher Honig", rechnet Müller vor.
Der ausgebildete Künstler mit Wohnort Alfter ist kein Wanderimker, er bevorzugt vielmehr für seine Bienenvölker feste Qualitäts-Standorte im Kottenforst bei Adendorf und Friesdorf an den Venusberghängen.
Der Deutsche Imkerbund mit Sitz in Wachtberg-Villip schlägt dagegen Alarm und rechnet für 2009 insgesamt mit einer
unterdurchschnittlichen Honigernte, die den Imkern keinen Gewinn bescheren wird. Die Kosten zum Erhalt der Bienenvölker seien höher als die Erträge.
Ein Bienenvolk benötigt laut Müller zur Aufzucht der Nachkommen rund 40 Kilo Pollen und ausreichend Eigenhonig von bis 80
Kilo im Jahr zum Überleben. Ohne Futterreserven müssen Imker ihre Völker mit einer Zwischenfütterung aus Zuckerwasser in die neue Saison retten.
Für viele Honigbienen und Wildinsekten fängt dem Imkerbund zufolge nun eine schwierige Zeit an. Grund: Es fehlen bunte Blumen oder blühende Pflanzen, die lebenswichtige Nahrung spenden.
Ränder an Feldern wurden gemäht und Pflanzen, die nicht zum
Erntegut passen, fielen Herbiziden zum Opfer. „Honigbienen, die jetzt ein Wintervolk aufbauen müssen, suchen gierig nach Nektar und Pollen. Die Bienen werden zum Beispiel von der gelben Farbe der
Sonnenblumen angelockt, werden aber enttäuscht, denn seit Jahren gibt es Neuzüchtungen, die kaum Nektar für Blüten besuchende Insekten produzieren. Zudem werde fast jeder Quadratmeter der
landwirtschaftlichen Flächen heute für Getreide, Hackfrüchte und vor allem Mais, der Pflanze zur Biomasse-Erzeugung, genutzt. Diese für Bienen eigentlich unattraktive Pflanze müsse mittlerweile aus Not als
Pollenquelle genutzt.
Heuer ist es besonders dramatisch, denn auch der Wald „honigte" nicht. Die starken Regenfälle haben alle Erwartungen der Imker zunichte gemacht, aber auch den Bienen Hunger beschert. Im Süden
Deutschlands mussten bereits im Juni Bienenvölker gefüttert werden, da sie sonst verhungert wären," beklagt Imkerbund-Präsident Peter Maske.
Imker Olaf Müller an seinem Bienenstock im Kottenforst.
Artikel vom 08.08.2009
|