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Die Internetseite mit der Geschichte des Bieneninstituts in Münster ist nach dem Zusammenschluss der Kammern nicht mehr erreichbar. Ich finde das aber so lesenswert, daß ich es hier wieder gebe. Olaf Müller

75 Jahre Bienenkunde in Münster

Die Wurzeln: 1849 Geburtsstunde des westfälischen Landesverbands

Als um 1848 der Pfarrer Dr. Johannes Dzierzon den Bienenstock durch die bewegliche Wabe mobil machte, und als durch die Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49 die Vereins- und Pressefreiheit in Deutschland eingeführt wurde, rief der Rentmeister Franz Erdmann der Papenschen Salinen in Westernkotten bei Lippstadt im Jahre 1849 eine Versammlung von Bienenzüchtern ein, an der spontan 5o Imker teilnahmen. Man gründete einen Bienenzuchtverein, der sich auf Anregung des Lehrers Dietrich Feldhege aus Benninghausen (später Arnsberg) auch noch der Seidenraupenzucht annehmen sollte, den „Westfälischen Verein zur Förderung der Bienenzucht und des Seidenbaus".

Bis 1886 blieben die westfälischen und die rheinischen Imker vereint; dann gliederte man den Verein wegen der weiträumigen Ausdehnung in zwei Hauptvereine. Die Leitung des „Westfälischen Hauptvereins für Bienenzucht" (die Seidenraupenzucht war wegen Seuchenerregern schon nach wenigen Jahren zum Erliegen gekommen) übernahm der Landrat Freiherr von Vincke aus Hamm. Man plante eine „Imkerschule" in Dortmund zu errichten, doch erst 1901 wurden Mittel bereit gestellt, die auf Anraten der 1899 gegründeten „Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen" zum Aufbau eines Lehrbienenstandes in Soest verwendet wurden. 1906 wurde der Lehrbienenstand um eine Imkerwerkstatt erweitert. Aber bereits 1911 wurde er aus finanziellen Gründen aufgelöst und das Inventar nach Wiescherhöfen bei Hamm umgelagert, wo der Lehrbetrieb 1913 wieder aufgenommen werden konnte.

Vom Lehrbienenstand zum Bieneninstitut

Nach dem 1.Weltkrieg nahm 1920 ein „Ausschuss für Bienenkunde" seine Beratungsaufgabe auf, was dazu führte, dass die Landwirtschaftskammer zusammen mit dem „Westfälischen Hauptverein für Bienenzucht" in Münster an der Südstraße 76 ein geräumiges Bienenhaus baute, und der „Lehrbienenstand" aus Wiescherhöfen vertraglich der 1922 gegründeten „Anstalt für Pflanzenschutz der Landwirtschaftskammer" eingegliedert wurde. Der Leiter der zoologischen Abteilung, Privatdozent Dr. Albert Koch, wurde für den Lehrbienenstand zuständig. Mit der Wahl von Koch zum Geschäftsführer des Hauptvereins im Jahre 1923 wurde die Zusammenarbeit zwischen Lehrbienenstand und Hauptverein gesichert. Die rege Forschungs- und Lehrtätigkeit führte auf Beschluss der Kammer zur Gründung einer eigenständigen „Versuchs- und Lehranstalt für Bienenzucht" zum 1. April 1925.

Aufbau und Zerstörung

1927 wechselte Koch an das neu gegründete „Landesinstitut für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre" nach Celle. Als Nachfolger wurde Dr. Franz Becker von der „Bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht", Erlangen. Die Auflösung der Landwirtschaftskammer im Jahre 1933 und die Überführung in den sog. „Reichsnährstand" brachte für die fachliche Arbeit keine Veränderung; lediglich der Name wurde umgestellt in „Lehr- und Versuchsanstalt für Bienenzucht". 1940 übernahm Oberlandwirtschaftsrat Bernhard Schulze Everding die Leitung. Beim Bombenangriff vom 12.Sept. 1944 wurde die Anstalt völlig zerstört und brannte aus.

Neubeginn und Nachkriegszeit

In den Jahren 1948-1952 waren die landwirtschaftlichen Institute in der münsteraner Überwasserschule notdürftig untergebracht. Der volle Institutsbetrieb konnte erst wieder am 17. Juni 1952 mit dem Bezug des neu errichteten Institutskomplexes an der Von-Esmarch-Straße aufgenommen werden. Die Landwirtschaftskammern in NRW waren nach Auflösung des Reichsnährstandes erst wieder endgültig mit einem Gesetz im Jahre 1949 entstanden. Als Aufgabe war ihnen zugewiesen worden, „die Landwirtschaft (dazu zählte ausdrücklich auch die Imkerei) und die in ihr Berufstätigen zu fördern und zu betreuen".

Bienenschutz im Pflanzenschutz

1957 übernahm die Landwirtschaftskammer im Auftrag der Biologischen Bundesanstalt (BBA) die Aufgabe der Prüfung von Pflanzenschutzmitteln auf Bienengefährlichkeit. Da dies zur Prüfung der biologischen Wirksamkeit der Pflanzenschutzmittel gehörte, für die das „Pflanzenschutzamt" zuständig war, lag eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Instituten nahe. Nach Ausscheiden von Schulze Everding im Feb. 1967 wurden die beiden Institute ab dem 1. März 1967 in Personalunion vom Leiter des Pflanzenschutzamtes, Prof. Dr. Hermann Heddergott, geführt. Die fachliche Betreuung der Bienenkunde übernahm Dr. Walter Springensguth. Nach dessen Pensionierung im Jahre 1971 leitete Dr. Walter Pinsdorf das Referat fast 20 Jahre, seit dem 1. April 1972 im neu organisierten „Institut für Pflanzenschutz, Saatgutuntersuchung und Bienenkunde (IPSAB)", das 1978 in das moderne „Landwirtschaftswissenschaftliche Institutszentrum Nevinghoff" umzog. Das IPSAB wurde ab 1978 von Dr. Helmut Thiede und vom 1. Dez. 1984 an von Dr. Theodor Kock bis zu dessen Ausscheiden Ende Juni 1999 geleitet.

Dr. Pinsdorf hatte eine Methode zur Prüfung der Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Marienkäfer entwickelt. Als die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln auf die Schädigung weiterer Nützlinge aufgrund des neuen Pflanzenschutzgesetzes (1986) ausgeweitet werden sollte, wurden 1990 für die Einrichtung eines Nützlingszentrums auch die Labor- und Büroräume der Bienenkunde in unmittelbarer Nähe zu Bienenhaus und -werkstatt neu errichtet und 1991 bezogen. Das Chemikaliengesetzes von 1990 schrieb besondere Prüfverfahren für Pflanzenschutzmittel nach den „Grundsätzen der Guten Laborpraxis (GLP)" für Bienen- und Nützlingsprüfungen vor. Das IPSAB verfügte ab 1. Nov. 1991 als erstes Bieneninstitut über die notwendige GLP-Struktur.

Auf dem Weg ins dritte Jahrtausend

Als Pinsdorf zum 30.November 1990 ausschied, wurde Dr. Werner Mühlen zum
1. März 1991 als Leiter der Bienenkunde eingestellt. Als ausgebildeter Biologe mit bienenwissenschaftlicher Erfahrung (Diplom- und Doktorarbeit befassten sich mit dem Lernverhalten der Honigbiene) plante er in Fortsetzung des bereits von Pinsdorf intensivierten Ausbildungsprogramms eine überregionale Fortbildungsveranstaltung. Sie erhielt den zugkräftigen Namen: „Apisticus-Tag Münster" („Apisticus" ist eine Wortschöpfung von Wilhelm Busch). Um die Verbundenheit des Institutes mit den Imkern zu dokumentieren, wird sie jeweils gemeinsam mit dem „Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e.V." und dem „Kreisimkerverein Münster e.V." abgestimmt und angekündigt.

Die enge Zusammenarbeit mit der Universität Münster wurde 1993 durch einen Kooperationsvertrag gefestigt. Ein erstes, vom Naturschutz des Landes NRW gefördertes Projekt war der Nachweis, dass das Hummelsterben unter spätblühenden Linden nicht auf einer fälschlich angenommenen Giftigkeit des Lindennektars beruht.

Zum 1. Jan. 1999 führte die Umorganisation der Landwirtschaftskammer zur Auflösung des IPSAB: Pflanzenschutzdienst und Bienenkunde wurden mit dem ehemaligen Landbau-Referat im Referat „Landbau und Pflanzenschutz" zusammengelegt. Die Leitung übernahm zum 1. Feb. 1999 der bisherige Stellvertreter im IPSAB, Dr. Johann Frahm. Die Leitung des „Pflanzenschutzdienstes" wurde zum 1.Juli 1999 Dr. Ehler Meyer übertragen.

Aufgaben des Bieneninstitutes im Wandel der Zeiten

Das Aufgabenfeld der Institution Bienenkunde in Münster ist heute - mit Ausnahme der Pflanzenschutzmittelprüfung - identisch mit dem von Koch 1925 im Januarheft der Westfälischen Bienenzeitung formulierten Katalog:

„Die Zoologische Abteilung für Bienenzucht hat folgende Aufgaben:

  • Erforschung des Bienenlebens;
  • Feststellung und Bekämpfung von Bienenkrankheiten;
  • Zucht und Vertrieb hochwertiger Königinnen;
  • Erprobung neuer Bienenwohnungen und bienenwirtschaftlicher Geräte;
  • Untersuchung und Vermittlung des Bezuges von Bienennährpflanzen;
  • Prüfung von Honigsorten und Nachweis von Honigfälschungen;
  • Schulung der westfälischen Imker;
  • Beratung auf allen Gebieten der Bienenzucht."
  • Schulze Everding erweiterte diese Aufgaben 1949 in der Westfälischen Bienen-Zeitung:
  • Durchführung von Leistungsprüfungen;
  • Ausbildung von Imkerlehrlingen und Praktikanten;
  • Gutachtertätigkeit;
  • Unterhaltung von Lehrsammlungen.

75 Jahre nach Gründung des Institutes hat sich auf dem Gebiet der Imkerei vieles gewandelt und doch sind die Grundprobleme und damit auch die zentralen Aufgaben eines Bieneninstitutes geblieben, ja sogar wichtiger denn je geworden. Bieneninstitute sichern die fachliche Beratung, Schulung und Betreuung der Imker, sie bilden ein bindendes Glied zwischen Praxis, Wissenschaft und Gesetzgebung. Sie können integrierend wirken, wenn es z.B. um die Fragen geht, ob Buckfast oder Carnica die bessere Biene ist und ob die konventionelle oder die ökologische Betriebsführung eher der Biene gerecht wird. Wichtig ist und bleibt die Unabhängigkeit der Institute und die sachlich geführte Diskussion zwischen den Interessensgruppen, damit es auch im dritten Jahrtausend genug engagierte Imker gibt, die Naturbelassenheit der imkerlichen Produkte unangetastet bleibt und die Imkerschaft sensibel bleibt für die Belange des Natur- und Umweltschutzes, wie es Mühlen (1999) in seinem Beitrag für die Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum des westfälisch- lippischen Landesverbandes formulierte. Abschließend möchte ich aber auch Schulze Everding (1949) noch einmal zu Wort kommen lassen, da ich seine Worte aus meiner fast 20-jährigen Erfahrung als Referent und später als Institutsleiter voll unterstreichen kann: „Die fruchtbare Förderungsarbeit auf dem Gebiet der Bienenzucht wäre nicht denkbar ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker, der in schweren Jahren mehr als einmal seine Hilfsbereitschaft unter Beweis gestellt hat."

Die Initiative aus der Imkerschaft, einen „Verein zur Förderung des Fachbereichs Bienenkunde an der Landwirtschaftskammer" zu gründen ist daher sehr zu begrüßen. Der gemeinnützige Verein wurde am 8. Juli 1998 in das Vereinsregister unter dem Namen „APIS e.V." eingetragen. Er zählt derzeit schon über 90 Mitglieder.

Autor: Dr. Theodor Kock

© 2002 Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe

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