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Bienen Info 1/ 2004 Wald und Wiesen Imkerei Olaf Müller - www.biohonigbonn.de 25.2.2004
Was hat der Vulkan Tambora mit den Bienen zu tun?
Es gibt immer wieder mal große Vulkanausbrüche auf der Erde. Manche pusten so gewaltig viel Asche in die Atmosphäre, dass sie den Himmel für Jahre
verdüstern. So kommen auch hier in Mitteleuropa Jahre ohne Sommer vor. So geschehen 1815 mit dem Ausbruch des Tambora in Indonesien. Wegen der großen Hungersnot 1816 besonders in Südwestdeutschland konnte
eine neue Landwirtschaftwissenschaft Fuß fassen. Die Zeit war reif dafür. Und weil es für Pferde 1816 kein Heu und Hafer gab, erfand Freiherr von Drais 1817 das Laufrad. Nebenbei bemerkt: die Asche in der
Atmosphäre machte auch schöne rote Sonnenuntergänge und regte William Turner in den 1820er Jahren zu seinen großen Farbsinfonien an.
Was hat das nun mit den Bienen zu tun? Unmittelbar nicht viel. Ich erzähle die Tambora Geschichte immer gerne, um deutlich zu machen, dass die Staaten
bildenden Honigbienen solche Klimaeinbrüche schon seit Jahrhunderttausenden kennen. Und sie haben gelernt, für den Fall der Fälle vor zu sorgen. Bienen sammeln und reifen weit mehr Honig, als sie für den
nächsten Winter brauchen. Es könnte ja der Sommer im folgenden Jahr ausfallen. Einige Bienenvölker würden das überleben. Die Art bleibt erhalten. Das gelingt, wenn diese Bedingungen erfüllt sind: ausreichend
Blütennektar und Honigtau, einigermaßen gutes Wetter, Platz genug im hohlen Baum, das Flugloch klein genug, es zu verteidigen. Weil wir Imker, so weit wir können, den Bienen die besten Möglichkeiten schaffen und
sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt – nur deshalb können wir auch von den Riesenvorräten etwas abzweigen. Das Wetter können wir natürlich nicht bestimmen. Also noch mal Klartext: Wir nehmen den Bienen nicht
allen guten Honig oder geben ihnen als Ersatz billigen Zucker.
Und wie ist das mit dem Bienenwachs? Nimmt man da nicht den Bienen zu viel von ihrem edlen Leibesprodukt? (Wachs heißt so, weil es den Bienen aus dem Bauch
wächst). Besonders bescheidene Mitmenschen meinen, uns die Freunde an Honig und Wachs verbittern zu müssen. Nehmt den armen Bienen nicht das wenige weg, was sie doch so mühsam erzeugt haben! Mühsam schon, aber
auch im Überfluss. Von Bienen, die selber Mangel haben, nehmen wir natürlich nichts. Vielleicht sollten die Verbitterer mal einen guten Psychiater aufsuchen. Bienen werden nicht geschlachtet, damit wir an Honig
und Wachs kommen. Und mit Bienenwachs geht die Natur nun wirklich verschwenderisch um. Spätestens nach fünf Jahren verlassen die Bienen ihren gealterten Wabenbau in aller Regel. Sie schwärmen ab und beginnen in
einer anderen Baumhöhle frisch. Das Restchen Bienen, das den Zug verpasst hat, stirbt im Winter. Die Wachsmotten tun ihre Arbeit, Spechts oder Kleibers zeihen in die Baumhöhle, später vielleicht der
Baummarder. Nach Jahren zieht wieder ein Bienenschwarm ein. Von dem alten Wachs wird nichts wieder verwendet. Nun wird der Imker die Waben, die er die Bienen heutzutage in beweglichen Rähmchen bauen lässt, nicht
fünf Jahre alt werden lassen. (Der Bienenseuchensachverständige haut sie ihm sonst um die Ohren ;-) Nach spätestens drei Jahren soll wieder alles frisch sein. Und das Wachs ist für die Motten dann doch zu
schade. Mit Sonnenwärme oder Dampf lässt es sich ausschmelzen. Das bringt ein Kilo pro Bienenvolk im Jahr. Daraus werden Salben, schmerzlindernde Wickel, Anstriche und Kerzen. Und nicht vergessen: Das frische
Entdeckelungswachs ist Kau Wachs! Jeder amerikanische Kaugummi ist nur ein schäbiger Ersatz für echtes Kauwachs. Wer Minzgeschmack braucht kaut ein Pfefferminzblatt mit.
Wald und Wiesen Imkerei Olaf Müller - www.biohonigbonn.de
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